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ZAB GmbH und Kolping Akademie gründen Ausbildungsverbund

Eine hohe Qualität in der generalistischen Pflegeausbildung im Kreis Gütersloh ist gesichert. Seit dem 01.01.2020 gelten andere gesetzliche Vorgaben zur Ausbildung von Pflegefachkräften. Die Generalistik sieht vor, dass in allen Pflegesettings ausgebildet werden muss. Durch die bisherige Spezialisierung nach Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bestehen unterschiedliche Ausbildungsstrukturen. Mit der Vertragsunterzeichnung am 17.03.2020 bündeln die ZAB GmbH und die Kolping-Akademie ihre Kompetenzen und stellen damit die Weichen für eine kompetenzorientierte Ausbildung. Einige Wochen zeitversetzt durch die Kontaktbeschränkungen fand nun die Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des neuen Ausbildungsverbunds am 14.05.2020 unter Einhaltung der gebotenen Schutzmaßnahmen statt.

Als Gesprächspartner standen der Presse folgende Teilnehmer mit gebührendem Abstand Rede und Antwort:

Wolfgang Gelhard, Geschäftsführung Kolping-Akademie gGmbH

Andrea Künzel, Akademieleitung/Prokuristin Kolping-Akademie gGmbH

Heike Bentlage, Schulleitung Kolping-Akademie

Maud Beste, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der ZAB GmbH

Andreas Winter, Geschäftsführer und Akademieleiter ZAB GmbH

Kerstin Reusch, Stellv. Schulleitung ZAB GmbH

Judith Schmitz, Abteilungsleiterin Fachbereich Soziales, Kreis Gütersloh

Andreas Winter [ZAB GmbH]: Wir beschäftigen uns gemeinsam täglich mit der Frage, was sich gerade im Gesundheitswesen tut. Die generalistische Pflegeausbildung ist eine logische Konsequenz. Da der demografische Wandel dazu führt, dass immer mehr ältere Menschen in der Krankenpflege betreut werden, sind heute ganz andere Kompetenzen gefragt als vorher mit der spezialisierten Ausbildung. Mit dem Ausbildungsverbund möchten wir genau diesen Kompetenzerwerb sicherstellen. Wir haben unsere Zusammenarbeit vertraglich vereinbart, um in Zukunft alle Pflegesettings in der Ausbildung bedienen zu können. Das setzt eine einheitliche Ausbildungsstruktur voraus, die wir gemeinsam planen und umsetzen.

Wolfgang Gelhard [Kolping Akademie]: Dies heute ist ein ganz besonderer Termin, über den ich mich sehr freue. Er setzt den erfolgreichen Schlusspunkt unter einen längeren Prozess. Seit drei Jahren liefen die Gespräche, die letztlich davon abhingen, was der Gesetzgeber zur generalistischen Pflegeausbildung inhaltlich beschließt. Die Kolping Akademie ist seit 50 Jahren ein Bildungsträger in der Altenpflege. Daher möchten wir im Ausbildungsverbund mit der ZAB GmbH unser Profil weiterentwickeln und unser Knowhow einbringen. Davon, dass jeder Verbundpartner seine Identität behält, profitieren sowohl Klienten, Mitarbeiter*innen und Auszubildende. Es geht darum, Synergien gemeinsam nutzen.

Andrea Künzel [Kolping Akademie]: Die Ausbildung heißt jetzt überall Pflegefachmann/Pflegefachfrau. Trotzdem herrschen noch unterschiedliche Strukturen in der Pflege. Es geht auch darum, das Wachsen der einzelnen Pflegebereiche zu fördern, denn der Fachkräftemangel ist eklatant. Die Ausbildung muss attraktiver werden, dabei soll der Ausbildungsverbund helfen.

Maud Beste [ZAB GmbH]: Die Kolping Akademie hat eine hohe Expertise im Bereich Altenpflege und ist dort sehr gut vernetzt, die Kompetenzen der ZAB GmbH hingegen liegen in der Krankenpflege und im starken Verbund mit den Gesellschafterkliniken. Gemeinsam schaffen wir Qualitätsstandards, z. B. durch die Entwicklung von Curricula. Eine besonders große Herausforderung liegt in der Koordination der Auszubildenen. Mit unseren gebündelten Kompetenzen werden wir die generalistische Pflegeausbildung zum Erfolg führen.

Andreas Winter [ZAB GmbH]: Es wurde ein Verbundbeirat zur Steuerung und Evaluation unserer Maßnahmen gegründet, die die Praxis in den Fokus stellen. Neben der gleichmäßigen Verteilung der Auszubildenen auf die einzelnen Versorgungsbereiche durch ein rotierendes System, ist die Schulung der Praxisanleiter sehr wichtig sowie die Vereinheitlichung der Dokumentation. Dazu gibt es regelmäßige Sitzungen. Eines unserer Ziele ist auch das gemeinsame Marketing, damit es uns gelingt zukünftig erfolgreich junge Menschen als Auszubildende zu gewinnen.

Judith Schmitz [Kreis Gütersloh]: Für uns ist es wichtig, dass eine gute Gesundheitsversorgung im Kreis sichergestellt wird. Eine professionelle Ausbildung ist ein zentrales Element dazu, die Attraktivität zu steigern. Das Bild des Pflegeberufs in der Öffentlichkeit ist eher negativ besetzt. Dabei hat sich schon vieles getan. Monetäre Faktoren allein reichen als Motivation nicht aus, die intrinsische Motivation ist wichtig. Das können wir durch eine verbesserte Ausbildungsqualität erreichen.

Andrea Künzel [Kolping Akademie]: Durch Covid-19 sind die Bedürfnisse aber auch die Unterschiede in der Alten- und Krankenpflege stärker in die Wahrnehmung gerückt. Die Arbeitsbedingungen sind entscheidend dafür, ob jemand langfristig der Pflege erhalten bleibt. Eine gute und qualitative Ausbildung ist die Grundlage. Die generalistische Pflegeausbildung ist für die praktischen Träger der Ausbildung eine große Herausforderung.

Heike Bentlage [Kolping Akademie]: Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Praxisteile in fünf Versorgungsbereichen stattfinden müssen: ambulante Pflege, Psychiatrie, Altenpflege, Krankenpflege und Kinderpflege. Das steigert die Attraktivität des Berufs. Mit dem Verbund können wir eine professionelle Ausbildung in allen fünf Bereichen abbilden.

Kerstin Reusch [ZAB GmbH]: Wir haben insgesamt eine hohe Qualität der Pflegeausbildung und liegen mit einer Abbrecherquote von rund 4 % weit unter dem Durschnitt. Trotzdem ist es unser Ziel, die Qualität weiter zu steigern. Für eine erfolgreiche generalistische Pflegeausbildung ist die enge Begleitung der Ausbildung durch Lehrer, Praxisanleiter und Pflegefachkräfte besonders wichtig und muss eng verzahnt werden. Der erste Kurs in der generalistischen Pflegeausbildung ist bereits mit 28 Auszubildenden voll besetzt gestartet. Im Verbund bieten wir jetzt vier Termine im Jahr, an denen mit der Ausbildung begonnen werden kann. Auch das ist attraktiv.

Judith Schmitz [Kreis Gütersloh]: Wir sind bemüht, mit allen Beteiligten im Austausch zu bleiben und die Attraktivität des Pflegeberufs zu unterstützen, beispielweise durch die Veranstaltung Familie & Beruf. Der Kreis Gütersloh hat außerdem eine Pflegebedarfsberechnung in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob mehr Pflegekräfte bei den Trägern beschäftigt werden können.

Andreas Winter [ZAB GmbH]: Auch wir sind in Gesprächen, um die Ausbildungskapazität erweitern zu können. Die Attraktivität für Auszubildende wird auch durch ein Fachweiterbildungssystem und Studiengänge gesteigert, die zurzeit noch entwickelt werden.

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